Musil war nach Abbruch seiner Offizierslaufbahn als Ingenieur, Mathematiker und Physiker tätig, letzteres mit so bedeutendem Erfolg, daß ein Phänomen der Lichtbrechung nach ihm benannt ist. Bei unserem Paar ist die Welt noch in Ordnung; die Dame hat, durchaus geschlechtsspezifisch, Seele, die das zwar unentschlossene, aber unangenehme und lähmende Gefühl in ihrer Magengrube angesichts des Unfalls hervorbringt, der Herr aber hat, genauso geschlechtsspezifisch, Verstand, mittels dessen es ihm gelingt, seine Begleiterin durch Rationalisierung der Ereignisse vom Druck der unbewußten seelischen Vorgänge chevaleresk zu entlasten. Die anonym bleibenden Techniker – die aber den „schweren Kraftwagen“ zu schwache Bremsen verpassen (ähnlich wie Gott den Menschen)? Nachdem Ulrich die Bedeutungslosigkeit der heroischen Leistung durch rechnerische Konfrontation mit der bürgerlichen bewiesen hat , wird nun andererseits durch die Koppelung des Begriffs „rationalisiert“ mit dem des Heldentums die neue Zeit in eine lächerliche Beleuchtung getaucht. Stellt sich beim Leser nicht ein ähnliches Lächeln ein, wenn der Autor den ganzen philosophischen Unter- oder Überbau der Fortschrittsgläubigkeit des technischen Zeitalters in einer ganz beiläufig erzählten Szene zusammenkrachen läßt, so daß er nur durch eine – allerdings geschickt verdeckte – Lüge restituiert werden kann? Die „Gewalt“ entlädt sich in einer knappen, kurzen Pointe, die den Kern einer Sache in einem Satz erfasst. Buch | Kapitel 30-38; Der Mann ohne Eigenschaften 4. Diese Beschreibung drückt die Unfähigkeit Arnheims aus, mit dem Möglichkeitssinn gestalterisch umzugehen. In: Robert Musil: Essayismus und Ironie. Daraus lässt sich folgern, dass aphoristische Elemente bzw. 2.1 "Um es mit einem Wort zu sagen"[1]: Aphoristischer Schreibstil Als augenfälligstes Beispiel ist Arnheim zu nennen, der als Positiv zum Negativ-Abzug Ulrich in vom Erzähler ironisierten Reflexionen an essayistischem Glanz erst gewinnt. So scheint es auf den ersten Blick sehr widersprüchlich zu sein, erklärt sich indes mit Haas: „Aber auch im ausgebildeten Essay werden immer wieder wichtige Aussagen in aphorismusartigen Sätzen formuliert.“[28] Selbst in Definitionsversuchen des Essays wird dem Aphorismus ein gewisser Entfaltungsspielraum zugestanden:[26], „Ich muss an dieser Stelle betonen, dass in jedem Essay jene schönen Sätze auftreten, die wie der Same des ganzen Essays sind, aus denen er also immer wieder hervorgehen kann. Es handelt sich bei der Dame also nicht um Mitleid mit dem Opfer der Technik, sondern eigentlich um ungeklärte Ängste angesichts der Gewalten, welche die Technik entfesselt (ungeklärt vermutlich deshalb, weil die herrschende Fortschrittsgläubigkeit die Gefahren nicht sieht oder banalisiert); als ihr Begleiter einen technischen „Fehler“ als Ursache für das Unglück verantwortlich machen kann, ist ihr Unwohlsein beendet und das Opfer des Unglücks schnell vergessen. Der Mann ohne Eigenschaften ist auch ein utopischer Roman: Die Titelfigur Ulrich bemüht sich um die Ergründung anderer, mystischer Lebenssichten als Ausweg aus der Krise der Moderne. Über die Gründe, die ihn jeweils zum Abbruch bewegen, erfährt man Wesentliches in den Kap. Eine erste seiner vielfältigen Konnotierungen im zweiten Kapitel ist natürlich die, welche der volkswirtschaftliche Zusammenhang nahelegt, aus dem der Begriff „Rationalisierung“ stammt, nämlich die der Arbeitsteilung; er übermittelt dem Leser das Bild, daß die Arbeitsleistungen dieses Zeitalters so geplant, organisiert und normiert werden, daß sie sich zu der o. gen. Summierung eignen. Das hieß bereits, sich in eine Lage voll der Möglichkeiten begeben, sich lächerlich zu machen.“[74], [2] Robert Musil: Tagebücher. Warum nun in einer Arbeit, die Essayismus im MoE behandelt, sich mit Aphorismen beschäftigen? Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften ist solch ein Romankoloss: Man grüßt ihn artig, um sich dann blitzschnell aus dem Staub zu machen. Jahrhunderts vor. Narrativer Essayismus Jahrhunderts formte, erfolgen. Was er niemals zustande brachte, war bloß, sie restlos, so wie es das soziale Wohlgefühl erfordert, zu lieben.“[43] (Hervorhebung von mir). Allerdings wohnt diesem Lächeln nicht nur Schadenfreude, sondern auch ein Moment der ästhetischen Befriedigung inne infolge der Eleganz der Darstellung, die durch frappierende gedankliche Dichte und einen völligen Mangel an sprachlicher Redundanz gekennzeichnet ist. Dies kann als Stellungnahme zur Funktion des aphoristischen Schreibstils in einem Prosatext verstanden werden. Ändern ), Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Musils Roman bricht unverrichteter Dinge mit seinem Leben überraschend und unvollendet ab, die Epoche ist sicherlich auch noch nicht viel weitergekommen. „Man kann tun, was man will […] es kommt in diesem Gefilz von Kräften nicht im geringsten darauf an!“ (13). Er thematisiert die Darstellung der Reflexion in der Literatur auch noch explizit und ist somit metafiktional. Wer aber wäre hier die tragische Person? Er wird Sekretär bei den Planungen des 70. [Martin Menges] Hg. Ulrich, der Mann ohne Eigenschaften, nimmt sich im August 1913 für ein Jahr "Urlaub vom Leben", nachdem seine Versuche, ein berühmter Mann zu werden, kläglich gescheitert sind. Honnef-Becker, S.117, - Publikation als eBook und Buch Techniken der Relativierung in Robert Musils Roman ‘Der Mann ohne Eigenschaften’“[11] mit Musils Stil im MoE auseinandergesetzt. Vor allem im stilistischen Teil sind Fixierungen und Kategorisierungen sehr gut möglich und Erkenntnis versprechend. Seine Frau streute die Asche in die Rhone. Es fragt sich nun, welcher Art dieses Druckgefühl nun wirklich ist, das die Dame heimsucht. von Dieter Farda/Ulrich Karthaus, Frankfurt 1982, S.154-167, [34] Pfeiffer,“Aphorismus und Romanstruktur“, S.69ff sowie Marie Louise Roth: Robert Musil als Aphoristiker. 3.4 Die Selbstreferentialität, 4. Hörbuch, ISBN: 9783862315376, Literatur & Klassiker. Einzig das Pronominaladverb „darum“ verhindert die Korrektheit der Behauptung, dass es sich hierbei um ein aphoristisches Element handelt. Das Kapitel „Selbstreferentialität“ soll die zumeist unterschätzte Problematik der doppelten Auslegungsnotwendigkeit erläutern. Die Handlung, wie sie sich darbietet, erzeugt Ironie. Schwierig jedoch in Fällen wie dem folgenden, wo der Besuch eines etwa fünfzigjährigen Mannes zu empfangen war, der sich als Kanzleioberoffizial vorstellte; seine Stirn hatte das Leuchten von Märtyrerstirnen, und er erklärte, der Gründer und Obmann des Stenographievereins „Öhl“ zu sein, der sich erlaube, das Interesse des Sekretärs der großen patriotischen Aktion auf das Kurzschriftsystem „Öhl“ zu lenken.“[69]. Die Ironie wird hierbei durch die unkonventionelle Kombination verschiedener Ausdrücke erzeugt und ist somit narrativer Natur. Das Gefühl der Dame wie das des Zuschauers bei Lessing ermangelt völlig der altruistischen Zentrierung, die man beim Mitleid voraussetzt. [27] Peter C. Pfeiffer: Aphorismus und Romanstruktur. Aphorismen zwar kein Beweis, aber eines von mehreren Indizien für das Vorhandensein essayistischen Textes sein können, wenn sich aus eben jenem zitierbare Aphorismen extrahieren lassen. Die Einzelleistung wird durch die ungeheure Kraft der kollektiven Leistung absorbiert und bedeutungslos, nur „Seinesgleichen geschieht“ (357 ff) noch. Der „Übermensch“ kann keine Antwort auf die Fragen sein, die das Zeitalter stellt, denn er bleibt ohne Wirkung. 554 bzw. [36] MoE, S.1123-1130, S.1138-1146, S.1156-1174. 1. JK). Er macht fast ausschließlich das zweite Buch und den Nachlass zur Grundlage seiner Untersuchung. In neuerer Zeit hat sich vor allem Honnef-Becker in ihrer Arbeit „’Ulrich lächelte’. Immerhin handelt es sich hierbei um eine andere Gattung, wenn auch eine Nachbargattung[27]. „Die große patriotische Aktion“ wie die Parallelaktion eher satirisch als ironisch auch heißt, wird gelähmt durch die Beschäftigung mit den abstrusesten Vorstellungen und Vorschlägen, wo die Verleihung eines Professorentitels für profanes Fußball spielen noch als „verhältnismäßig einfach“ eingestuft wird. Lessings Ausgangspunkt ist Aristoteles‘ These über die Tragödie, sie solle „Mitleid und Schrecken“ erregen zum Zwecke unserer “Läuterung“ (so die gängigen Übersetzungen). Die innere Überleitung dagegen ist umso eleganter, indem sie ohne große Vorbereitung den Mann ohne Eigenschaften als einen Mann der technischen Zivilisation und als genuinen Naturwissenschaftler einführt, indem er, am Fenster stehend, spielerisch die Kräfte abschätzt, die ein Bürger der technischen Welt benötigt, einfach nur um zu leben. Der Herr sagte nach einigem Schweigen zu ihr: ´Diese schweren Kraftwagen, wie sie hier verwendet werden, haben einen zu langen Bremsweg.‘ Die Dame fühlte sich dadurch erleichtert und dankte mit einem aufmerksamen Blick. Stuttgart 2002 , S.170, [17] Tim Mehigan: Robert Musil. ( Abmelden /  Sie manifestieren sich bei ihm höchstens in Form von Zwangsvorstellungen: „Er wurde von unangenehmen Tagträumen verfolgt, wie es sein strenger Kopf noch nie erlebt hatte. Bevor der aphoristische Schreibstil im MoE erarbeitet werden kann, ist es angebracht, die Differenz zwischen Aphorismus und aphoristischem Element zu erläutern, die lediglich formeller Natur ist: Ein aphoristisches Element befindet sich in einem Prosatext und müsste erst extrahiert, drucktechnisch von den anderen aphoristischen Elementen derart isoliert aufgereiht werden, dass keine semantische, strukturelle oder syntaktische Verbindung mehr zwischen den einzelnen aphoristischen Elementen/Aphorismen besteht[30]. Nach der Auseinandersetzung mit den bisherigen Auffassungen vom Sinn dieser These kommt Lessing zu dem Schluß, „Schrecken“ sei eine falsche Übersetzung, vielmehr müsse es heißen „Furcht“; und zwar sei diese die Furcht des Zuschauers, daß ihm das gleiche Unheil zustoßen könne wie der tragischen Person, wenn er sich nicht bessere und deren Schuld vermeide („Läuterung“ des Zuschauers). In jedem Fall gibt es derartige, längere Elemente im MoE und ihre Extrahierbarkeit steht der der konziseren Aphorismen in nichts nach: „Einem Mörder wird es, wenn er sachlich vorgeht, als besondere Rohheit ausgelegt; einem Professor, der in den Armen seiner Gattin an einer Aufgabe weiterrechnet, als knöcherne Trockenheit; einem Politiker, der über vernichtete Menschen in die Höhe steigt, je nach dem Erfolg als Gemeinheit oder Größe; von Soldaten, Henkern und Chirurgen dagegen fordert man geradezu diese Unerschütterlichkeit, die man an anderen verurteilt.“[50]. Sie will einerseits natürlich keine Theorie des Essayismus liefern. Der Begriff der „Rationalisierung“, der Ausbreitung der ratio auf unsere Lebenswelt, nähert sich dem Fundament der modernen Welt. 2.2 „Gott meint die Welt keineswegs wörtlich“: Ironischer Schreibstil Dieser Lapsus kann auf die schlichte Nähe der Gedankenführung der Achse Musil-Erzähler-Ulrich zurückzuführen sein. z. Wenn bei Isothermen und Isotheren völlig deplaziert von „Pflichterfüllung“ die Rede ist, bedeutet das, die Dimension des GUTEN in mathematische Zeichensysteme einzuführen. Zum anderen steht dieser direkten Ausprägung des Essayismus eine weitere Ausformung des Essayismus gegenüber, die in vorliegender Arbeit „narrativer Essayismus“ genannt werden soll. Solche überlangen, hypotaktischen Sätze entblößen die Verwandtschaft beider Gattungen: „Der Mensch trägt den größten Teil seiner Eitelkeit, da man ihn gelernt hat, dass er ihn nicht im Herzen tragen dürfe, unter den Füßen, indem er auf dem Boden eines großen Vaterlandes, einer Religion oder einer Einkommensstufe wandelt, und in Ermangelung solcher Position genügt ihm sogar, was jeder haben kann, sich auf der augenblicklich höchsten Spitze der aus dem Nichts aufgestiegenen Zeitsäule zu befinden, das heißt, gerade jetzt zu leben, wo alle Früheren zu Staub geworden sind und keine Späteren noch da sind.“[51]. Exemplarisch kann dies am wichtigen vierten Kapitel veranschaulicht werden: „Wenn man gut durch geöffnete Türen will, muss man die Tatsache achten, dass sie einen festen Rahmen haben: dieser Grundsatz, nachdem der alte Professor immer gelebt hatte, ist einfach eine Forderung des Wirklichkeitssinns. - Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN Inhaltsangabe von Der Mann ohne Eigenschaften (Robert Musil) mit Hinweisen zum Autor, der Epoche und Ansätzen zu einer möglichen Interpretation. Aber was würde der dazu sagen? [1] Vgl. B. durch Mitleid und Trauer, sondern die technische Vernunft; das hat den angenehmen Effekt, daß es der Dame sofort besser geht als vorher. Die Verwendung eingeführter Formeln, verbunden mit der Tendenz zur globalen Auslegung, ist typisch für den Umgang der Forschung mit dem MoE.“[19]. Münster 1990. Frankfurt 1991, [12] Anne Patrik Hannon: Der essayistische Roman in Musils ‘Der Mann ohne Eigenschaften’, Thomas Manns ‘Der Zauberberg’ und Brochs ‘Die Schlafwandler’. Bonn 1960, [10],Albrecht Schöne: Über den Gebrauch des Konjunktivs bei Robert Musil. Das ameisenhafte Format der neuen Heroen, ihr Eifer beim Aufhäufen von Arbeistsleistung, das Fehlen von persönlichem Format und Klasse, die Banalität der kleinschrittigen Arbeitsschritte, das Billige und Massenhafte der Produkte, all das knirscht heftig, wenn der Erzähler dieses WAHRE des technischen Zeitalters mit dem GUTEN und SCHÖNEN, mit einem Begriff wie Heldentum, zusammenspannt, um mit einem Lachen die Erkenntnis des Lesers zu fördern, daß die neue Zeit nicht so wundervoll ist wie oft propagiert. “Aphorismus und Romanstruktur“, S.3, [39] Roth, “Robert Musil als Aphoristiker”, S.116, [48] Pfeiffer, “Aphorismus und Romanstruktur“, S.21. Diese sind erheblich größer als die „eines Athleten, der einmal im Tag ein ungeheures Gewicht stemmt“ (12), und so übertrifft auch die Kraft der alltäglichen Lebensleistung „in ihrer gesellschaftlichen Summe und durch ihre Eignung für diese Summierung“(13) die Kraft jedes Heroen: industrielle Masse schlägt mit Leichtigkeit die seelische Klasse. Zugleich zeigt sich die Konstruktivität in dem Versuch dieses beschriebene Dilemma, wenn es schon vorerst nicht zu lösen ist, wenigstens bewusst zu machen. Der Idee vom „Übermenschen“ bereitet die real existierende und herrschende bürgerliche Lebensweise „Schwierigkeiten“. Die stilistischen Elemente umfassen die aphoristische und ironische Ausdrucksweise sowie die Antonyme und Negationen. Kap, wenn es der Straße, auf der sich der Unfall abspielte, weiter gefolgt wäre, auf das „Jagd- oder Liebesschlößchen vergangener Zeiten“ (12) gestoßen wäre, das dem „Mann ohne Eigenschaften“ als Wohnung dient, und erscheint etwas mühsam konstruiert, wenn nicht sogar etwas gewaltsam. Inhaltsangabe24.de. Oder auch so: [2] Wer sich erfüllen kann, was er mag, weiß bald nicht mehr, was er wünschen soll.“[47] (Hervorhebung und Nummerierung von mir). Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ ist zweifellos einer der bedeutendsten Romane des 20.Jahrhunderts, auch wenn in der Forschung immer noch vereinzelt in Frage gestellt wird, ob es sich bei „Der Mann ohne Eigenschaften“ überhaupt um einen Roman handelt. In jüngster Zeit wurde auch die prinzipielle Offenheit des MoE auf die Forschungsweise übertragen. Darüber hinaus gibt es mehrsätzige aphoristische Elemente, die durch den Tempuswechsel deutlich zu erkennen sind.